Zu Gast bei Nomaden in der Mongolei

Zu Gast bei Nomaden in der Mongolei

Der Besuch einer Nomadenfamilie ist häufig der Höhepunkte einer Mongoleireise und gleichzeitig wirst Du einige Fragen haben, die wir hier beantworten:

  • Wie finde ich eine Nomadenfamilie?
  • Kann ich in einer Jurte übernachten?
  • Welches Gastgeschenk passt am besten in der Mongolei?
  • Was sollte ich in einem Ger vermeiden?
  • Was soll ich hier unbedingt machen?
  • Wie kann ich die „touristischen“ Nomaden meiden und ganz normale Nomadenfamilien treffen?

Nomaden in der Mongolei – eine lebendige Tradition

Die wichtigste und beste Nachricht zuerst: Es gibt noch Nomaden in der Mongolei und zwar viele! Du hast also sehr gute Chancen bei Nomaden in der Mongolei zu Gast zu sein. Das Wort Nomade sollte man dabei allerdings nicht falsch verstehen, die Gers (das mongolische Wort für Jurte, mehr dazu hier) ziehen normalerweise nicht alle 2 Wochen weiter, sondern wechseln meist nur vom Sommer zum Winterlager und sind ansonsten eher fest aufgestellt. Manchmal gibt es auch mehrere Ortswechsel im Jahr. Trotzdem ist es richtig von Nomaden zu sprechen, da die Sommerlager nicht klar gekennzeichnet sind und die Stelle jedes Jahr etwas unterschiedlich sein kann. Auch die Tiere werden über verschiedene, nicht umzäunte Weiden getrieben. Es gibt keine Adresse und fast nie Wasser oder Stromanschluss.

Moderne Technologien der Nomaden

Die Moderne Welt haben sich aber auch die Nomaden zu Nutze gemacht. Neben Pferden gibt es eine Menge kleinerer Motorräder – häufig aus chinesischer Produktion und manchmal sogar ein Truck oder Toyota Landcruiser. Viele Nomaden haben Mobiltelefone – auch wenn der Empfang in vielen Landesteilen schlecht ist. Die Nomaden haben kleine Solarzellen auf ihren Jurten angebracht um Strom für ihre Mobiltelefone zu produzieren. Was dagegen fehlt sind Kühlschränke und Kühltruhen. Nomaden verwenden daher traditionelle Haltbarkeitstechniken: Im Winter wurde traditionell viel Fleisch gegessen welches gefroren war. Noch heute sieht man auch in den Städten manchmal halbe Schafe auf Balkonen liegen – im Großeinkauf ist Fleisch oft sehr günstig. Im Sommer macht die trockene Luft viele Lebensmittel längere Zeit haltbar. Hier geht es vor allem um getrocknete Milchprodukte.

Nomadenfamilien in Terelj

Um Terelj, Ulaanbaatar und Kharkhorin gibt es einige sogenannte Nomadenfamilien, die sich schon sehr auf Touristen eingestellt haben und für die der Tourismus eine Haupteinnahmequelle geworden ist. Falls sie noch Tiere haben, so ist dies eher ein kleiner Nebenerwerb und es wird mehr Wert auf Pferde gelegt, die für Reittouren genutzt werden können. Umgekehrt kann ein Besuch bei diesen Familien oft problemlos bei einem der vielen Reiseveranstalter gebucht werden.

Nomaden die nicht von Tourismus leben

Möchtest Du weiter hinaus und Nomaden besuchen, die nicht vornehmlich vom Tourismus leben, so musst du zwei Fragen beantworten: Wie kommst Du dort hin und wie kannst Du mit der Familie kommunizieren? Das Transportproblem lässt sich teilweise durch gemietete Geländewagen mit Fahrer lösen. Die Kosten liegen allerdings bei 100-200 USD pro Tag. Darin ist dann der Fahrer, der Mietwagen und der Verbrauch schon eingerechnet. Bei längeren Strecken kann es auch etwas mehr werden. Du solltest auf einen guten Geländewagen bestehen. Am besten eignet sich sicherlich ein Toyota Landcruiser, aber auch ein G-Klasse Mercedes eignet sich gut. Deiner Sicherheit und Gesundheit zu Liebe solltest Du hier keine Kompromisse eingehen. Mit Russisch kannst Du mit einigen Nomaden ins Gespräch kommen, zur Not kann vielleicht auch Dein Fahrer übersetzen. Die jüngeren Söhne und Töchter der Familien haben oft auch etwas Englisch gelernt und können sich mit Dir unterhalten. Deutsch sprechende Nomadenfamilien und Fahrer sind sehr selten. Du könntest neben dem Fahrer noch einen Guide mitnehmen – oder eben einfach zu den besser auf Touristen eingestellten Nomaden bei Kharkhorin, der Gobi, Terelj und um Ulaanbaatar fahren.

Nomadenfamilien Kennenlernen

Nomaden kennenzulernen ist dagegen kein Problem. Vielleicht hast Du schon in Ulaanbaatar einen Sohn oder eine Tochter einer Nomadenfamilie kennengelernt der oder die Dir gerne seine/ihre Heimat zeigt? Vielleicht ziehst Du auch selbst los und lässt Dich von der großen Gastfreundschaft bei zufälligen Begegnungen auf dem Land überraschen. Nicht überall wird es möglich sein zu halten aber Du wirst am Tag an dutzenden Jurten vorbeikommen. Bei manchen werden scharfe Hunde das Fahrzeug anbellen, woanders winkt man Dir schon zu und Du kannst hier eine Rast einlegen. Manchmal sucht auch ein Nomade eine Mitfahrgelegenheit und lädt dann gegebenenfalls zu sich ein um etwas Milchtee zu trinken.

Gewöhnungsbedürftig: Essen und Getränke der Nomaden. Mit Milchtee ist kein Schwarzer Tee mit etwas Milch gemeint, sondern ein Tee der fast nur aus fettiger Milch besteht, mit Teeextrakten und manchmal sogar kleinen Fleischstücken.

Verhalten bei Nomaden

Bei Nomaden achtest Du erstmal darauf, dass die Hunde wissen, dass Du ein gern gesehener Gast bist. Es könnte unangenehm sein in der Steppe von solch einem Hund gebissen zu werden. Zweitens einfach auf die Menschen zugehen. Sie freuen sich und werden Dich sicherlich gerne einladen. Außerhalb von Ulaanbaatar, Terelj, Kharkhorin, Darkhan und den Wegen dazwischen sowie außerhalb von Khuvsgul und Gobi sind auch die Nomaden sehr an Dir interessiert! Bei Deinem Besuch einer Nomadenfamilie kann es sogar sein, dass diese Familie wesentlich mehr von Dir erfahren möchte und Dich als mindestens so exotisch ansieht wie Du sie. So häufig kommt im Uvs Aimag, im Norden Zavkhans oder im Sukhbaatar Aimag auch kein Tourist vorbei und nicht jeder hält dann genau vor einer bestimmten Jurte. Die Nomaden sind also auch auf Dich gespannt!

Beim Eintreten in die Jurte am besten nicht gegen Holz klopfen, nichts über die Türschwelle nach innen oder außen geben – wenn Du willkommen bist dann tritt näher!

In der Jurte kannst Du Dich nach links orientieren, die Seite der Gäste. Die Ältesten sitzen der Tür gegenüber, jüngere Leute eher näher an der Tür. Die Füsse solltest Du nicht dem Ofen entgegenstrecken. Mongolen reichen gerne eine Schnupftabakdose herum. Nimm sie mit offener Hand an, rieche daran (es ist eher unüblich wirklich davon zu schnupfen) und reiche sie zurück. Dabei hast Du Zeit, niemand drängt Dich.

Häufig bekommst Du Milchtee, Kekse und Milchgebäck (Aarol) angeboten. Falls Du zum Essen kommst gibt es oft Hammelfleischsuppe und hin und wieder, aber vor allem abends dann Vodka. Das mongolische Essen ist generell sehr fleischlastig und mit vielen Teigwaren, zudem gibt es einige Milchprodukte. Scharf ist das Essen dagegen nicht.

Gastgeschenke für mongolische Nomaden

Als Gastgeschenk kannst Du vielleicht etwas frisches Obst mitbringen: Wassermelonen sind zum Beispiel sehr beliebt! Auch mit Alkohol bereitet man den meisten Nomaden eine Freude. Vielleicht kannst Du auch ein paar Vitamintabletten mitnehmen – falls Du dies dann auch kommunizieren kannst. Insbesondere für gute Freunde können solche Geschenke sinnvoll sein, wenn Du weisst, dass es ansonsten sehr schwer ist alle Vitamine zu bekommen.

In manchen Jurten leben 10 oder mehr Personen, in anderen wiederum nur 2-3. Übernachten kannst Du nicht überall aber Du wirst schon merken was möglich ist. Dabei wird von den Nomaden außerhalb der Touristenregionen eigentlich nie nach Geld gefragt, es ist natürlich trotzdem schön, wenn Du am nächsten Morgen ein kleines Geldgeschenk machst. Das können 10 USD sein, oder auch mehr, insbesondere wenn ihr in einer Gruppe reist.  Normalerweise kann man das Geld dem (oder der) Ältesten geben – aber auch hier wirst Du schon merken, wie es am besten passt.

Die Sofas dienen dabei als Betten, aber bei mehreren Leuten werden auch einfach Matten auf den Boden gelegt und man schläft dicht nebeneinander auf der Kopfseite der Jurte. Ein eigener Schlafsack kann dabei schon hilfreich sein, aber häufig sind überall schnell noch ein paar Decken aufgetrieben.

Viel Spaß bei den Nomaden! Der Besuch einer Nomadenfamilie kann sicherlich einer der Höhepunkte der Mongoleireise werden. Hoffentlich werden wir alle noch viele Jahre diese Tradition erleben dürfen.

 


3 Gedanken zu „Zu Gast bei Nomaden in der Mongolei

  1. Hallo …

    Ich möcht gern mit meiner Tochter (26) eine Zeit bei Nomaden in einer Jurte leben. Wie kann ich mit einer Nomaden Familie Kontakt aufnehmen um eine Anfrage zu stellen.
    Wir beide sind sehr Natur verbunden und sehr anpassungsfähig was Essen, Unterkunft angeht.
    Wir können beide anpacken und sehr gut mit Tieren umgehen.
    Wenn eine Unterkunft in der Jurte nicht möglich ist, leben wir auch gern im Zelt um das Familienleben nicht zu stören.
    Wir mögen keinerlei Kommerz !

    1. Hallo Hardy,

      bei einer Nomadenfamilie lernst du die richtige Mongolei kennen und dazu gibt es natürlich einige Möglichkeiten. Wir finden das super und können euch darin nur bestärken.

      Situation 1: Ihr habt einige freundschaftliche Kontakte in der Mongolei, vielleicht lebt ihr in der Mongolei oder kommt zumindest für eine längere Zeit! Fragt einfach bei euren Freunden nach! In der Mongolei kennt jeder jeden und da ergibt sich was! Ansonsten auch einfach mal über die Uni Studenten kennenlernen, die aus Nomadenfamilien vom Land kommen! Sie laden auch gerne ein.

      Falls ihr ein Fahrzeug (am besten mit Fahrer) und viel Zeit habt, dann fahrt einfach los! Nomaden, die nicht laufend Touristen aufnehmen, haben keinen Terminkalender für Gäste und viele freue sich auf Besuch. So zumindest haben wir es immer praktiziert – und wenn es bei einer Familie mal zu viele Hunde gab, kein Platz in der Jurte oder die Stimmung nicht ganz so gut, dann fährt man einfach weiter. Vielleicht ist man dann in der dritten Jurte herzlich willkommen, aber man findet eigentlich immer etwas. Die Nomaden fragen dabei eigentlich nie nach einer Gegenleistung.

      Verschenken kann man gut Früchte aus der Stadt (Melonen sind zum Beispiel sehr beliebt) und falls ihr dort auch übernachten, dann schenkt auch etwas Geld in einem Umschlag, das hilft den Nomaden am meisten. Also wenn ihr Zeit habt braucht ihr „keine Anfrage“ zu stellen, ihr werdet auf eurem Weg schon viele Nomaden kennenlernen. Wichtig: Ihr müsst euch ja mit dem Fahrer und den Nomaden irgendwie verständigen können und euch in der Gegend zurecht finden. Lest euch nochmal die Sicherheitshinweise durch!

      Habt ihr keine Mongolisch- oder Russischkenntnisse, und wart noch nie in der Mongolei, dann empfehlen wir euch schon mit einer Reisegruppe zu fahren. Oder ganz gezielt Nomaden suchen, die auf ausländische Touristen eingestellt sind. Das macht den Kreis dann natürlich viel kleiner, und alles etwas kommerzieller. Die „normalen“ Reisegruppen fahren dann in die Gobi, oder nach Terelj, oder die Gegend von Khakhorin und treffen dort „ihre Nomadenfamilien“. Dies ist sicherlich der einfachste Weg, aber auch ein kommerzieller Weg. Wenn ihr als Touristen für 1-2 Wochen in die Mongolei kommt ist dies aber der beste Weg. Schaut auch mal einfach bei Facebook – zum Beispiel in der Gruppe der Mongoleireise, oder bei Abenteuer Mongolei oder der Mongolisch Deutschen Brücke und stellt dort eine Anfrage ein!

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