Ger – die Mongolische Jurte

Ger – die Mongolische Jurte

Ger - die Mongolische Jurte

Mongolische Jurte - Ger genannt
Typische mongolische Jurte "Ger" mit nach Süden ausgerichteter Tür

Die mongolische Jurte, auf mongolisch „Ger“ genannt hat sich über Jahrhunderte als Unterkunft im rauen Klima bewährt. Der kreisrunde Grundriss und die dicke Filzummantelung dienen dazu das Ger optimal abzudichten und eine Wärmekammer zu bilden. Die niedrige und flache Decke tragen weiterhin zu diesen guten Isolierwerten bei. Wind und Wetter und sogar Erdbeben überstehen Gers unbeschadet.

Ein Ger kann innerhalb weniger Stunden auf- und abgebaut werden und mittels Lastwagen über die Steppe transportiert werden. Traditionell übernahmen Kamele und Yaks diese Arbeit – heutzutage ist dies allerdings sehr selten geworden. Lastwagen transportieren die Jurten über die Steppe.

Auch heute noch leben hunderttausende Mongolen in Jurten – sowohl auf dem Land als auch in der Hauptstadt wo die „Gerviertel“ sich wie ein Gürtel um die Stadt legen und Zuflucht für Neuankömmlinge bieten.

Jurten in anderen Ländern

Auch in anderen zentralasiatischen Ländern haben sich Jurten als Wohnstätten gehalten. Die kasachischen und zentralasiatischen Jurten sind dabei häufig etwas höher und umfangreicher gebaut. Im Vergleich zur mongolischen Jurte bieten diese mehr Platz und weisen Regen besser ab. Die kleinere mongolische Jurte ist dagegen besser an die eiskalten Winter und stärkere Winde angepasst. Auch in Russland sind Jurten bei sibirischen Völkern weit verbreitet gewesen. Heutzutage leben im flächengrößten Land der Welt und in Zentralasien allerdings nur noch wenige Menschen in Jurten. Auch in den mongolischen Siedlungsgebieten in China, vor allem in Xinjiang und der Inneren Mongolei leben nur noch sehr wenige Menschen in Jurten. Touristen lieben es dort in größeren Jurten zu übernachten oder auch fleischreiche Abendessen in Restaurantjurten zu genießen. Das Wort „Jurte“ kommt aus der Türkischen Sprache und hat von dort den Eingang in die Europäischen Sprachen gefunden. In Asien wird dagegen von „Mongolischer Box“ (蒙古包) gesprochen, wenn von Jurten die Rede ist.

Gers in der mongolischen Kultur

Traditionell werden Gers und Familien gleichgesetzt. Das  Wort Jurte aus der Türkischen Sprachfamilie hat auch diese Bedeutung. Das mongolische Wort für Familie wird mittels des Wortes „Ger“ gebildet. Was im deutschen Sprachraum als Kernfamilie bezeichnet wird, deckt sich in der Mongolei also mit der Familie, die zusammen in einem Ger lebt. Die Personenzahl variiert dabei stark. So leben in manchen Gers auf dem Land auch bis zu 12 Personen. Häufig stehen auch zwei Gers nah beieinander und bilden eine Einheit.

Der Mittelpunkt eines Gers bildet der Ofen, traditionell durch getrockneten Dung befeuert. Dieser wird nahe der Tür aufbewahrt. In Städten, aber auch in der Nordmongolei wird auch Holz zum Heizen verwendet welches in den umliegenden Wäldern wächst. In der Hauptstadt immer häufiger Kohle. Die Öfen und Schornsteine sind aus Eisen gefertigt welches wegen der Temperaturen und Feuchtigkeit schnell rostet und porös wird.

Ofen als Mittelpunkt in einer mongolischen Jurte
Eisenofen in der Mitte eines Gers

Die Luftverschmutzung in Ulaanbaatar ist im Winter oft extrem. Grund dafür sind die vielen Öfen in den Gers, die gleichzeitig heizen. Diese Öfen verbrennen das Material wegen der niedrigen Brenntemperaturen oft nur unvollständig und die Schonsteinspitzen in 2 Meter Höhe sorgen dafür, dass der Rauch nahe an der Oberfläche bleibt. Versuche moderne Öfen einzuführen, die bessere Brennwerte haben waren bisher nur teilweise erfolgreich. Während die höchste Effizienz in geschlossenen Öfen erreicht wird, werden diese Öfen in der Mongolei oft geöffnet „um nach dem Feuer zu sehen“ oder etwas zu stochern. Die Kultur und die Gewohnheiten stehen hier dem Umweltschutzgedanken diametral gegenüber.

Ausrichtung der mongolischen Jurte

Die fensterlose Holztür der nomadischen Gers ist traditionell nach Süden ausgerichtet und die Tür und das Holzgitter werden als erstes aufgebaut. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Mongolen oft von „Vorne“ – als Süden und von „Rechts“ (Westen) und „Links“ (Osten) sprechen. Da dies gerade entgegengesetzt der westlichen Sicht ist kann es hier leicht zu Missverständnissen kommen.

In den“Gerviertel“ der Städte sind die Türen nicht mehr immer nach Süden ausgerichtet sondern passen sich mehr an die lokalen Gegebenheiten an. Auch in einigen Touristencamps wurde diese traditionelle Ausrichtung verworfen um den Touristen zu ermöglichen Gers zum Beispiel wie eine „Wagenburg“ ausrichten zu können.

Aufbau einer Jurte

Zuerst wird eine geeignete Stelle gesucht und der Boden dort präpariert. 

Bei der eigentlichen Jurte, wird die Tür zuerst aufgebaut. Nachdem Tür und Lattenrost der Seitenwände eingesetzt sind, kommt der schwierigste Teil. Die langen Holzstangen der Decke werden eingesetzt. In der Mitte schließen sie mit dem alles vereinende Rad ab. Die Dachbalken sind an einem Ende angespitzt und passen perfekt in kleine, 3 Zentimeter tiefe Einkerbungen im Dachrad.

Zwei große, oft reichlich verzierte Längsstangen tragen dieses Dachrad. Diese zwei Balken sind oft 10 Zentimeter dick und sind das wichtigste Element der Decke. Daher gelten hier auch besondere Verhaltensregeln.

Das mittlere Rad ist an der höchsten Stelle des Gers eingesetzt und ist ein wichtiges mongolisches Symbol. Das Dachrad wird nicht mit dem Rest verschraubt, sondern nur mit Seilen verbunden. Ein Seil in der Mitte des Rades kann nochmal mit einem schweren Gegenstand beschwert werden, damit die Jurte auch starken Stürmen widerstehen kann.

Die Dachbalken liegen in den Kreuzen der Seitengitter und werden mit Pferde- oder Kamelhaarsträngen an diesen verknotet.

Manchmal sind die Balken der Decke, die großen Tragbalken und das zentrale Rad reichlich verziert.

im inneren einer mongolischen Jurte
Deckenstangen aus Holz und traditionelle Seilanordnung

Anschliessend wird eine schützende Schicht über die Holzbefestigungen gelegt und darüber der Filz über das Ger gelegt. Dieser trägt dazu bei, dass die mongolische Nomaden ihr Ger auch im Winter warm halten können. Darüber kommt eine dünnere Plane zum abdichten.

Über den Filz wird dann die dünne Außenhautplane gelegt um die Jurte Regensicher zu machen und diese wird mit Seilen festgezurrt. Zur Befestigung können die Seile, die über die Decke gespannt werden auch an schweren Steinen befestigt werden, die um das Ger liegen.

An der höchsten Stelle in der Mitte des Gers befindet sich eine kleine Öffnung im Dachrad. Hier ist Platz für den Schornstein. Im Sommer kann diese Öffnung auch etwas vergrößert werden und erlaubt einen Blick in den Sternenhimmel oder in das ewige Blau des Sommertages. Trotz fehlender Fenster ist es also nicht dunkel in einer Jurte. 

Zudem wird im Sommer an einigen Stellen die Filzummantelung angehoben und so kann von unten Frischluft in das Ger einströmen. Wichtig ist das Öffnen der Dachöffnung auch, damit die Luftfeuchtigkeit wieder sinkt. Also z.B. nachdem 4-5 Personen eine Nacht in einer Jurte geschlafen haben öffnen Nomaden die obere Öffnung und erlauben eine bessere Luftzirkulation und die Luftfeuchtigkeit kann ins freie Entweichen. 

In manchen Jurten liegen noch Textilien als Art „Wände“ über den Holzgittern. In Gercamps ist dies allerdings selten. Man will ja gerade die besondere Atmosphäre mit dem schönen Holzgitter betonen.

Herstellung von mongolischen Jurten

Die mongolischen Jurten werden meist von kleinen Familienbetrieben hergestellt. 

Die meisten dieser Kleinbetriebe spezialisieren sich auf eine der drei zentralen Fertigkeiten. Manche kümmern sich um das Holzgerüst und die Holzstangen. Andere um die dicke Filzummantelung. Und dritte um die Überzüge und andere Textilien. 

Natürlich gibt es auch Hersteller, die alle Schritte der Jurtenherstellung beherrschen. 

Als Holz wird vor allem Kiefern- und sibirisches Lärchenholz verwendet. Die Produktion von Jurten spielt bei der Abholzung der Mongolei eine kleine Rolle im Vergleich zur Produktion von Brennholz. In der Nord- und Zentralmongolei gibt es noch größere zusammenhängende Waldgebiete. Wichtig ist aber auch, dass trockenes Holz verwendet wird. 

Die einzelnen Latten werden mit Riemen aus Kamelleder verbunden. Silke beschreibt hier sehr schön, wie die Riemen noch fester werden. Die Mongolischen Baumeister feuchten die Riemen kurz an bevor sie diese befestigen. Wenn sie trocknen ziehen sie sich zu und sitzen sehr fest.

Die einzelnen Lattenroste werden später mit Seilen aus Kamel- oder Pferdehaar verbunden. Dadurch bleiben Jurten sehr flexibel im Auf- und Abbau. Es werden keine Nägel oder Schrauben verwendet. Wenn Du mal ein Ikea Regal abgebaut und in einer neuen Wohnung aufgebaut hast, dann weisst Du wie kompliziert Schrauben das ganze machen. Also weg damit, für eine freiere, nomadische Lebensweise! 

Zudem kommt das Wissen über die Verzierungen an den Jurten, welches über Mund-zu-Mund Propaganda von Generation an Generation weitergegeben wird. Der Lack und die Farben helfen auch das Holz gegen Umwelteinflüsse und Feuchtigkeit zu schützen.

Transport einer Jurte

Traditionell wurden die Holz- und Filzelemente einer Jurte mit Pferden und Kamelen abtransportiert. Heutzutage dienen Kleinlastwagen diesem Zweck. Es dauert häufig mehrere Stunden eine Jurte auf einem Lastwagen zu verstauen und dieser fährt dann mit 30-50 km/h über die Steppe. Häufig haben sich schon Fahrspuren durch die gelegentlichen Touristenbusse, Motorräder und Geländewagen gebildet, die sich in großem Wirrwarr durch die Steppe ziehen.

Ein Umzug in der Mongolei
In Autos werden Gers normalerweise nicht transportiert...

Im Ger

Auf der Stirnseite, der Tür gegenüber steht oft eine Art Ahnenaltar mit Fotos der Familie und religiösen Gegenständen. Rechts und links davon befinden sich Holzbetten die während des Tages in Sitzgelegenheiten umfunktioniert werden.

In der Mitte steht der Ofen zum Heizen, auf dem allerdings auch gekocht wird. Häufig werden große Töpfe dafür verwendet die sich perfekt für die Hammelsuppe eignen, aber auch Milchtee, gegebenenfalls mit Zusatz von Fleisch kann hier gut gekocht werden.

In der Nähe des Eingangs liegen in manchen Gers getrocknete Kuhfladen oder Holz um das Feuer am laufen zu halten. Die oberen Stangen dienen auch als Ablage, manchmal stecken hier Mobiltelefone oder Seile.

Traditionell sind Gers auch voll mit buddhistischer Symbolik. Ochir als Metallsymbol oder auch in der Krone und den Seiten die Anordnung der Seile.

Verhalten in der mongolischen Jurte

Es gibt eine Reihe traditioneller Verhaltensregeln in der mongolischen Jurte. Die Mongolen sind allerdings oft nicht dogmatisch und Du hast als Reisender natürlich auch eine gewisse Narrenfreiheit. Nichtsdestotrotz bietet es sich an gewisse Grundregeln zu beachten: Du betrittst die mongolische Jurte durch den kleinen, nach Süden ausgerichteten Eingang. Achte darauf weder auf die Türschwelle zu treten noch Deinen Kopf zu stoßen. Am besten mit dem Rechten Fuß zuerst eintreten – auch wenn dies oft nicht besonders beachtet wird.

Auch wenn es sinnvoll erscheint ist es nicht gut etwas durch die Tür von draußen nach drinnen zu reichen. Trage also insbesondere Geschenke, aber auch andere Gegenstände durch die Tür – Du kannst sie dann in der Jurte übergeben.

Am Kopfende sitz normalerweise der Hausherr – fast immer der Älteste der Familie. Gäste nehmen dann häufig von der Tür aus gesehen links platz. Falls Du einfach mit ausländischen Freunden, oder mongolischen Freunden Dir eine mongolische Jurte mietest, so spielt dies natürlich keine Rolle. Bei mongolischen Nomaden solltest Du dies beachten.

Strecke Deine Füße in der Jurte nicht dem Herd entgegen und lege sie nicht auf das Kopfkissen. Wenn Fußsohlen auf dem Boden bleiben ist es eigentlich immer richtig. Zudem solltest Du nicht zwischen den zwei tragenden Stangen im Inneren des Gers stehen oder diesen Bereich durchlaufen. Bleib also außerhalb davon.

Falls Schnupftabak gereicht wird, so reicht es etwas daran zu riechen und diesen mit offener, rechter Hand anzunehmen und genauso wieder zurück zu geben. Du musst also nicht wirklich davon konsumieren wenn Du nicht möchtest. Deine Linke Hand hälst Du beim Annehmen und Weiterreichen des Tabaks als Unterstützung auf den rechten Ellenbogen.

Mongolische Gers in anderen Ländern

Auch in anderen Ländern Asiens und Europas sind Gers als Partyzelte, für Veranstaltungen oder mongolische Restaurants beliebt. 

In Europäischen Breiten muss wegen der hohen Luftfeuchtigkeit allerdings damit gerechnet werden, dass der Filz schneller schimmelt und sich die Jurten daher nicht so lange halten. Gers sind eben besonders für das mongolische, kalte aber trockene Klima geeignet.

Auch das Holz kann im feuchten europäischen Klima langsam aufquellen, sich somit verziehen und nicht mehr gut passen. Zudem bietet aufquellendes Holz beste Bedingungen für Schädlinge wie Käfer und Holzwürmer.

Kauftipps für Jurten

Du willst also eine Jurte kaufen? 

Die grundlegende Frage ist, ob Du die Jurte draußen oder drinnen nutzen möchtest. 

Für Restaurants bietet es sich an Jurten zu wählen, die kaum Filz haben. Letztlich geht es darum möglichst günstig und platzsparend eine Jurte drinnen aufzubauen. Diese Jurten dürfen dann aber auch besonders kunstvoll verziert werden. Die Kunstfertigkeit die dafür nötig ist beherrschen leider immer weniger Handwerker in der Mongolei. Heutzutage ist es schwierig eine Person mit diesen Fertigkeiten zu finden.

Falls Du eine Jurte für draußen möchtest, dann überlege Dir wie Du die Jurte gegen Regen schützt. Die aus der Mongolei importierten Jurten sind alle Einzelstücke. Sie müssen zusammengebaut werden und sind nicht genormt. Der Zusammenbau ist für Ungeübte durchaus herausfordernd. Auch echte mongolische Gers – importiert aus der Mongolei sind in Europa erhältlich. Mehrere Anbieter verkaufen Gers in unterschiedlichen Größen für einige Tausend Euro. Beachte nochmal die folgenden Punkte abzuklären:

  1. Gewährleistung/Garantie
  2. Unterstützung beim Aufbau des Gers

Eine gute Alternative sind Jurten aus der EU. Die in Europa hergestellte Jurten haben häufig keine Filzummantelung, eine steilere Decke um besser vor Regen zu schützen und eine dünnere, stärkere Außenhaut. Diese Pfadfinderjurten sind auch oft schwarz anstelle der weißen Farbe mongolischer Jurten. 

Ein paar europäische Firmen importieren Jurten aus der Mongolei, die speziell für das europäische Klima gefertigt werden. 

Außerhalb der Jurte

Außen in der Nähe der Jurte stehen häufig die Motorräder der Nomaden, Wäscheleinen und in kurzer Entfernung die Gatter für die Kleintiere, also für die Nachtlager von Schafe und Ziegen. Zudem eine größere Stange, an welche die Pferde angeleint werden. 

Direkt neben dem Ger gibt es manchmal eine Satellitenschüssel, häufig allerdings eine kleine Solaranlage, welche zwar nicht für große Energiefresser ausreicht, aber immerhin Smartphones aufladen können. 

Im Sommer liegen manchmal Aaruul auf den Jurten zum trocknen. 

Jurten in der Mongolei